Projekt meinRad – ESWE Verkehr

Einschlägiger Berichterstattung gemäß ist das Projekt „meinRad“ des Wiesbadener Mobilitätsdienstleisters ESWE Verkehr vorerst gescheitert. Es gab nur so wenig Vermietungen bzw. Ausleihungen, dass die Wirtschaftlichkeit des Systems nicht gegeben war. Anstatt das Projekt jetzt einzustellen und sich darauf zu konzentrieren, dass die ureigenen und wirklich wichtigen Aufgaben der Verkehrsgesellschaft prioritär wahrgenommen werden, soll „meinRad“ neu ausgerichtet und somit nur unterbrochen werden. Nun muss intensiv darüber gesprochen werden, ob es für die ohnehin angeschlagene Verkehrsgesellschaft nicht sinnvoller ist, sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren und sich nicht in Bereichen wirtschaftlich zu betätigen, die am Markt sowieso verfügbar sind. Dies ist auch vor dem Hintergrund wichtig, dass der Markt mit anderen Fahrradverleihern und vor allem Elektro-Tretrollern bereits hart umkämpft ist und mit dementsprechenden Herausforderungen für Stadt, Bürger und Touristen wie es auch in den allermeisten anderen deutschen Kommunen schon der Fall ist, einhergeht[1]. ESWE hat sich mit dem Projekt „meinRad“ bemüht, aber in Zeiten wie dieses muss die Wirtschaftlichkeit mehr denn je im Vordergrund stehen. Laut Berichterstattung des Wiesbadener Kuriers hatte die Kämmerei bereits für 2018 einen Zuschussbedarf von 222.000 Euro errechnet. In den folgenden Jahren sollte dieser eigentlich sinken[2].

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Der Magistrat wird gebeten zu berichten,

  1. ob es aus seiner Sicht Gründe gibt, aus denen nach wie vor ein Eingriff in den Wirtschaftszyklus einer städtischen Gesellschaft trotz Angebotes am Markt nötig und erstrebenswert ist,
  2. was seit dem Beginn des Projekts „meinRad“ an Kosten und Aufwand entstanden ist (v. a. im Hinblick auf die sog. „sunk costs“),
  3. wie hoch die durch dieses Experiment initiierten Verluste sind,
  4. welche Fehler an welchen Stellen konkret gemacht worden sind, z. B. im Bereich der Kostenkalkulationen, der Bedarfsanalyse (Beschaffenheit der Räder) oder im Bereich Marketing),
  5. mit welchen Abwicklungsmaßnahmen und Kosten ein endgültiger Ausstieg aus dem Projekt „meinRad“ verbunden wäre.

Der Magistrat wird gebeten,

  • eine öffentliche Ausschreibung für die Vermietung von Fahrrädern mit entsprechenden festgelegten Rahmenbedingungen zu tätigen,
  • und mit einem bereits am Markt etablierten Anbieter anhand konkreter Qualitätsvorgaben (Gütesiegel) und Rahmenbedingungen zu kooperieren. Dazu soll ESWE Verkehr Erfahrungen aus anderen Kommunen wie Frankfurt am Main einholen, wo es bspw. Regeln und Anregungen dafür gibt, was bei Gesprächen mit neuen Anbietern und Gestattungsverträgen zu Rückgabezonen beachtet werden muss[3].

[1] Neue freie Fahrradverleihsysteme in Städten – Chance oder Risiko? | Deutsches Institut für Urbanistik (difu.de)

[2] Leihräder in Wiesbaden: Die erste Stunde kostet 1,50 Euro – Grundgebühr 90 Euro (wiesbadener-kurier.de)

[3] Neue freie Fahrradverleihsysteme in Städten – Chance oder Risiko? | Deutsches Institut für Urbanistik (difu.de)

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